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Muttertag

Unser Kommentar zum Edeka Muttertag Werbespot: „Wir sagen Danke. Für nichts“

Der Muttertag ist da, um Danke zu sagen. Das ist klar und wichtig und richtig, also richtig wichtig. Deswegen stimmen wir dem neuen Edeka Muttertag Werbespot erst einmal voll und ganz zu und schreien, schreiben und texten heute mindestens einmal: DANKE MAMA!

So und hier hört es dann auch schon auf. Denn schauen wir uns den ganzen Spot einmal an, bleibt vom euphorischen Family-Gefühl nur noch wenig übrig und wir wechseln von Stirnrunzeln zu Kopfschütteln, bis nur noch ein Gedanke bleibt: What. The. Fuck?!

Kurz zum Hintergrund: Am 05. Mai veröffentlichte Edeka einen neuen Werbespot zum Muttertag. Die Supermarktkette, die in der Vergangenheit mit „supergeilen“ Videos und Anzeigen eine ganze Branche aus dem Werbe-Dornröschenschlaf geweckt und damit mega Begeisterung ausgelöst hat, griff jetzt ins Klo. Und zwar ziemlich ziemlich tief. Warum? Seht selbst:

Die Storyline lässt sich so zusammenfassen: In dem Edeka Muttertags Werbespot werden Männer dabei gezeigt, wie sie schlicht und einfach beim Papa-Sein versagen. Um zum Schluss mit dem Satz zu enden: „Danke Mama, dass du nicht Papa bist.“ Hä??!

Also erst einmal: Wir sind absolut dafür, dass Marken mit Humor an gesellschaftliche Themen herangehen, um die Ecke denken und provozieren (machen wir ja selbst oft genug, wir sagen nur: Tampon Book). Aufmerksamkeit ist schließlich nicht so einfach zu bekommen. Und was soll man sagen: Die hat Edeka jetzt auf jeden Fall. An sich könnte der Spot auch ganz lustig sein, sieht man sich mal die verzweifelten Gesichter und (vielleicht nicht einmal ganz so) abstrusen Situationen an. Jetzt kommen aber einige ganz ganz fette ABER, die wir einfach absolut nicht verstehen.

1. Was sollen diese ganzen Papa (und Mama) Klischees?!

Ein Vater im Business-Outfit, der einschläft, während sein Sohn etwas vorliest (weil er so überarbeitet ist??). Einer, der seine Tochter beim Haarekämmen-Versuch zum Weinen bringt (weil Haare Mädchensache sind??). Und ein anderer, der offenbar noch nie einen Mixer bedient hat (weil die Küche sonst Frauen-Terrain ist??).

Wir kennen Papas, die super Smoothies machen und Mamas, die einen Wohnzimmerschrank besser zusammen zimmern, als die meisten anderen!

Dazu kommt, dass diese Darstellung – wenn auch nicht direkt ausgesprochen – implizit vermittelt, dass Frauen bei allem was Haus und Kinder angeht, offensichtlich immer noch viel besser sind. Alles fiese Gender-Stereotypen, die ungelogen auch aus den 50ern sein könnten. Ahoi Klischees! Das 1:18 Min. lange Video ist nicht nur schwarz-weiß in der Optik, sondern auch im Denken – und der Beweis: Sexismus is still a thing.

2. Genau so sieht Feminismus NICHT aus

Mit dem Papa-Shaming im Edeka Spot wird also vermittelt: Frauen sind besser als Männer (beziehungsweise Mütter besser als Väter) und genau das ist die falsche Botschaft, die wieder mal ein echter Backflash für den Feminismus ist. Denn eigentlich geht es dabei um etwas ganz anderes. Ein Geschlecht soll eben NICHT über das andere gestellt werden – wie es aus der kritischen Ecke oft vorgeworfen wird.

Es geht darum, Männer und Frauen als gleichwertig zu betrachten. Und dazu zählt auch, veraltete Klischees endlich und für immer zu vergessen. Mittlerweile sollte doch echt bei jedem angekommen sein, dass auch Männer super gut im Haushalt und Frauen echte Businesspeople sein können – und andersrum und alles dazwischen.

3. Muss man seinen Vater hassen, um seine Mutter zu lieben?!

Zu guter Letzt können wir nur Youtube-User @Jean und seinem Kommentar zustimmen: „Ich wusste gar nicht, dass ich meinen Vater hassen muss, damit ich meine Mutter mögen kann. Danke für die Aufklärung!“. Wie wäre es nächstes Mal mit einem einfachen Danke. Denn liebe Edeka Verantwortlichen: Liebe funktioniert auch ohne Hass.♥️

Übrigens: Wir sind offenbar nicht die einzigen, denen Edeka Muttertag Werbespot nicht so supergeil finden. Wie das Marketingportal „horizont.net“ berichtet, geht beim deutschen Werberat gerade eine richtige Flut an Beschwerden ein. Zur Info: Der Deutsche Werberat ist sowas wie die Bürgerpolizei der Werbebrache und soll dafür sorgen, dass grundlegende Regeln und Standards eingehalten werden (z.B. keine Diskriminierung).

Jetzt könnte man natürlich sagen: „Habt euch nicht so, versteht mal ein bisschen Spaß.“ Aber ganz ehrlich: Wir lachen lieber, über wirklich lustige Sachen – zum Beispiel die User-Kommentare unter dem Edeka-Muttertagsspot auf Youtube.

 

Fazit

Augenzwinkernd an eine Sache rangehen? Ja. Aber bitte nicht, wenn man damit blind für sexistische und diskriminierende Darstellung wird. Denn dann wird aus lustig gemeint ganz schnell ziemlich shitty gemacht. Und ganz nebenbei, gibt es doch viel mehr Familienkonstellationen abseits von Mutter-Vater-Kind, die es mal wert wären, in der Werbung promotet zu werden. Also: Nicht jede Haltungskampagne ist gut. Schuster bleib bei deinen Leisten, ähm, Edeka bleib bei deinen Tomaten, Gurken und unseretwegen deiner Käsetheke. Oder bitte einfach bei Friedrich Liechtenstein und „Supergeil“. Das war zur Abwechslung nämlich wirklich witzig.

Über die Vulva-Bloggerin

Aline

Aline geht das Leben am liebsten so an: „No bad vibes“. Klappt natürlich nicht immer, aber meistens doch ganz ausgezeichnet. Das bringt nicht nur ihr selbst gute Laune, sondern hoffentlich auch allen um sie herum – genau wie Müsli zum Abendessen oder eine dicke Kugel Dunkle-Schoki-Schwarze-Johannisbeere-Eis.

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