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Gründerinnen Anni Sinja

Female Fundraising: „Haben Frauen es im Fundraising schwerer?“

Corona Pandemie. Finanzierungsrunde. Gründerinnen. Venture Capital. Perioden-Startup…

Begriffe, die selten zusammen genannt werden. Doch genau diese Begriffe haben unsere letzten Monate geprägt – und uns so einige schlaflose Nächte beschert. Denn noch bevor Corona ein regelmäßig gebrauchter Begriff in Deutschland war, machten wir uns an die Arbeit einer neuen Finanzierungsrunde. Wie unsere Erfahrungen waren und warum wir den Satz „Haben es Frauen beim Fundraising schwerer?“ nicht mehr hören können.

Was ist überhaupt eine Finanzierungsrunde? Und dieses Venture Capital?

⁠Für die Newbies im Gründer*innenkosmos: Fundraising funktioniert etwa so:⁠

  1. Bau eines Pitchdecks (mit Präsentation der Firma, starke Zahlen und Besonderheiten) ⁠
  2. Wenn man Glück hat, sind schon einige Anfragen von Investoren auf dem Tisch
  3. Häufig aber auch: Man muss sämtliche Kontakte, die man kennt und die Venture Capitalists (Risikokapitalgeber) kennen könnten, um eine Intro bitten⁠
  4. Vor Ort Klinken putzen aka. mit dem Pitchdeck vorstellen und innerhalb von 10-40 Minuten darlegen, warum die eigene Firma einfach großartig ist
  5. Auf Feedback warten: Was meistens mit einigen Telefonanrufen und Erinnerungsmails verbunden ist
  6. Ein Foto bekommen oder nicht… ähhh wir meinen, die Antwort der Investoren bekommen, ob sie im Prozess weitergehen möchten und wenn ja, ihnen einen tieferen Einblick in die Geschäftszahlen bieten⁠
  7. Eventuell: ein Gespräch mit den Partnern (hochrangige Investoren) ⁠
  8. Eine laaange Zeit über ein Term Sheet verhandeln (hält wichtige Punkte fest, wie z.B. die Bewertung der Firma und die Investmenthöhe
  9. Ganz viel rechtlichen Kram mit Anwälten, mit dem wir euch heute verschonen…⁠
  10. Notartermin und dann: ⁠💸

Das ist eine wirklich sehr kurze Zusammenfassung – so ein Prozess dauert und kann besonders in Coronazeiten recht spannend sein.

 

Nur 2,7% des global investierten Kapitals geht an weibliche Gründerteams

Richtig gehört. Laut BCG Studie sind wir vom Gender Pay Gap also zu einem „Gender Investment Gap“ aufgestiegen. Denn es kommt noch besser:

  • Die Wahrscheinlichkeit, als weiblich geführtes Startup eine Finanzierung zu erhalten, ist 18% geringer als bei anderen Startups
  • In späteren Phasen sogar bis zu 40% (Series A) und 90% (Series B)!
  • Im Durchschnitt erhalten wir Gründerinnen in Deutschland 3,1x weniger Kapital als Gründer
  • Die Unternehmensbewertung fällt 16,4x geringer aus (Seed)

So, was nun? Unter der Bettdecke verkriechen oder allen zeigen, dass wir Frauen krasse Unternehmen bauen?💪🏼💃🏼

Letzteres. Denn es ist sogar bewiesen: Teams mit Gründerin holen aus jedem investierten Dollar im Schnitt 78 Cent Return. Gründerteams hingegen nur 31 Cent.

Außerdem tut sich was:

Bei der letzten Runde wurde die Praktikantin mit in den Termin geholt – heute sieht das anders aus

Während unserer ersten Finanzierungsrunde passierte es uns bei mindestens jedem zweiten Termin, dass die weibliche Praktikantin mit zum Termin eingeladen wurde. Zitat: „Damit auch jemand was vom Thema versteht.“ Ok.

Unsere aktuelle Runde war anders: Keine Praktikantinnen mehr (einmal die Sekretärin, aber das lassen wir durchgehen) – sondern weibliche Partnerinnen! Die meisten erst seit (Zitat:) „gestern“ oder „zwei Monaten“ angestellt – ABER: sie sind da! Und sie werden hoffentlich immer mehr!

Denn: Wenn man 12 (älteren) Herren im Raum erzählen will, warum ein Periodenabo der Knaller ist, muss man damit anfangen, dass es drei verschiedene Tampongrößen gibt 😅  Wir empfehlen die #MENstruation Videos 😉

Delia Lachance: Investmentverträge sind nicht auf Mutterschutz und Elternzeit ausgelegt

Wir feiern, dass Gründerinnenthemen durch die Presse gehen. Wie im Fall von Delia Lachance. Die Gründerin von Westwing musste „weil die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland für Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften aktuell nicht die Möglichkeit vorsehen, Mutterschutz und Elternzeit in Anspruch zu nehmen“ ihr Amt aufgrund ihrer Schwangerschaft abtreten. Jahr 2020 – hallo?? Eine entsprechende große Gegenwelle #stayonboard schlug zurück.

Verträge, Board Rules und Investmentklauseln sind also immer noch auf typisch männliche Manager ausgerichtet. Entsprechend gilt es zu reagieren: Lasst eure Investmentverträge von Anwältinnen speziell auf Mutterschutz und Elternzeit prüfen. Mit solchen kleinen Änderungen können wir viel bewirken – und setzen Meilensteine für die Gründerinnennachwelt 💚

„Haben es Frauen beim Fundraising schwerer?“

Wir freuen uns auf die Zeit, wenn wir die Frage „Haben es Frauen beim Fundraising schwerer?“ nicht mehr beantworten müssen. Sie impliziert verdammt viel und demotiviert Folgegenerationen von Gründerinnen. Unser Wunsch: Wir möchten irgendwann nur noch gefragt werden: „Wie haben die zwei ein so krasses Unternehmen mit so verdammt tollen Kund*innen gebaut?“ 😉

⁠Bis dahin: Arbeiten wir weiterhin daran, den Fundraisingprozess für Frauen besser zu machen. Zum Beispiel durch die:

Aktuelle Studie von btov & Grace Accelerator

Die Studie von Jennifer Phan, Partnerin bei dem europäischen VC btov, und Grace Accelerator soll aufdecken, wie Gründerinnen den Fundraisingprozess wahrnehmen. Wenn du also auch Gründerin bist, dann mach unbedingt hier bis Ende Juni 2020 mit 🚀

Ihr seid mitten im Fundraisingprozess und braucht Support?
Meldet euch bei Fragen gerne bei uns.

Anni & Sinja

Studien: MassChallenge; BCG analysis

Über die Vulva-Bloggerin

Gründerin Anni

Frauen sollten sich für nichts schämen, was ganz natürlich ist! Anni ist für den klaren Tabubruch bei Themen wie der Periode. Auch deswegen hat sie zusammen mit Sinja The Female Company gegründet. Ihre Lieblingssüßigkeit ist Schokolade, aber "Super-Food" Avocado geht gar nicht.

Zu allen Artikeln von Gründerin Anni

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