She hit the flow – Interview mit femflow

Alisa, auf dem Weg von deinem früheren Ich bis zur Feminine-Coaching-Expertin heute hast du viele Stationen und auch Länder miterlebt. Welche waren die prägendsten für deinen Weg heute?

Ja in der Tat, ich habe vieles gesehen und viele Länder besucht. Es ist schwierig zu sagen, was für mich am prägendsten war. Alle Erfahrungen haben ihre ganz individuelle Farbe und Bedeutung gehabt. Ich habe eine ganz spezielle Verbindung zu Süd Ost Asien (vor allem Thailand), Bali und Costa Rica. Das sind Orte und Communities, die ich ganz oft besuche und von denen ich lerne und als Mensch wachse.

In deinem Leben gab es viele Momente in denen du versucht hast Dinge zu kompensieren – wann hast du gelernt in dich hinein zu hören und wie funktioniert das dann?

Ich glaube es ist wichtig zu verstehen, dass die Reise nie aufhört. Es ist nicht so, dass man irgendetwas macht oder irgendwo „ankommt“ und auf einmal bist du glücklich und im Einklang mit dir selbst. Erstens: das Leben ist kein Wettlauf. Und zweitens, der Weg ist das Ziel. Du entscheidest Moment für Moment wie du dein Leben und die Beziehung zu dir selbst gestaltest.

So war das auch bei mir – eine lange Reise, die noch immer anhält. Viele Erfahrung haben mir geholfen mich immer mehr zu spüren, zu verstehen wo sich Blockaden befinden und wie ich diese auflösen kann. Mit 17 habe ich eine bewusste Entscheidung getroffen, dass ich mein Leben verändern will, auch wenn ich damals keine Ahnung hatte wie das geht und was ich tun muss. Aber diese bewusste Entscheidung hat mich zu unterschiedlichen Lehrern, Menschen, Methoden und Orten auf dieser Welt geführt. Ein bedeutender Moment für mich war meine erste Schweige-Kloster Erfahrung im Osten. Dort habe ich zum ersten Mal Meditation und Achtsamkeit als Lebenshaltung kennen gelernt.

Und um auf die Frage zurückzukommen – wie funktioniert das in sich hinein hören – ist das mein erster Hinweis. Lerne mit dir selbst zu sein ohne jede Ablenkung (ohne Bücher, Filme, andere Menschen, Sport usw). LERNE DICH OHNE JEDER ABLENKUNG WIRKLICH KENNEN. Wer bist denn „du“ wenn alles andere was dich definiert nicht mehr da ist? Welche tiefen Bedürfnisse hast du? Welche Qualitäten machen sich sichtbar? Welche Rolle willst du denn spielen und warum? Du musst nicht ins Kloster fahren um das zu erforschen. Such nach einem Youtube Turtorial wie du meditieren kannst, oder setzt dich einfach gleich für 5 Minuten hin. That’s it. Und morgen wieder. Und am übernächsten Tag wieder. Mach daraus ein Experiment, eine individuelle Erforschungsreise. Das wichtige ist einfach anzufangen.

Ich bin durch meine Beobachtung darauf gestoßen, dass unser Körper und Geist eine eigene Intelligenz besitzen. Jede einzelne Zelle, Organismus bis zum Organ hat eine eigene Intelligenz. Wir glauben immer, dass der Kopf alles diktieren und bestimmen muss. Doch dem ist nicht so. Wenn wir lernen, dass unser Kopf nicht alles dominieren kann, dann treten wir mit uns selbst tiefer in Kontakt. Wir lernen die Sprache und die Zeichen des Körpers richtig zu deuten, und im Einklang mit unserem natürlichen Rhythmus zu leben.

Um deine Erfahrungen an andere weiter zugeben hast du femflow.org ins Leben gerufen und erzählst dort deine Geschichte. Workshops und Coaching on top – worum geht dabei genau?

Femflow.org ist eine Plattform für Frauen um ihre Sinnlichkeit, Kraft und Weiblichkeit zu entdecken. Es gibt viele Tabu Themen in unserer Gesellschaft – vor allem wenn es um Sexualität und die Menstruation geht. Das sind aber Themen die einen enormen Einfluss auf unser ganzheitliches Wohlbefinden und Lebensglück haben. Ich habe Femflow ins Leben gerufen, weil ich mir gewünscht hätte dieses Wissen und einzigartigen Erfahrungen schon früher kennen gelernt zu haben.

Ich bin zutiefst dankbar und erfüllt, wenn ich Frauen ein Stück auf ihrer Transformationsreise begleiten kann. Wenn sie wie ein Phoenix aus der Asche erwachen, an sich selbst so stark glauben und ihre Schönheit erkennen. Ihren Weg voller Neugierde und Mut gehen, und eine tiefe Verbundenheit zu sich selbst und andere Schwestern auf der Welt verspüren. Denn: Wir wachsen daran andere bei ihrem Wachstum zu unterstützen.

Natürlich sind wir von Berufswegen aber auch persönlich daran interessiert, Trends wie „free bleeding“ näher zu erkunden. Wie hast du den Zugang dazu gefunden und vor allem – How to free bleed? (ohne zu kleckern)

Ja, sehr gern! Während meiner Yoga Ausbildung, habe ich eine Doula aus Israel kennen gelernt, die diese Methode anderen Frauen beibringt. Bis zu diesem Tag, habe ich nicht gewusst, dass es so was überhaupt gibt. Und im Generellen, war das Thema Zyklus und Menstruation nie von großer Bedeutung für mich. Ja, als Frau weiß man wie man mit seinen Tagen zu Recht kommt…Doch darüber hinaus habe ich mir nie Gedanken gemacht. Was stecke ich in meinen Körper hinein? Tut es ihm gut? Was ist denn drin in den regulären Tampons und Co? Was macht die Pille eigentlich mit mir, und zwar auf allen Ebenen: physisch, hormonell, emotional und psychisch? Welche langfristigen Konsequenzen hat es für mich?

Natural Flow (oder auch free bleeding, conscious/instinctive bleeding, realese method,…) ist für mich nicht nur eine Alternative für Tampons, Pads und Cups sondern eine Möglichkeit all diese Fragen auf den Grund zu gehen, und den Körper vor allem während der Blutung zu unterstützen und zu heilen. Als Frau entscheidest du selbst, wie du deine Weiblichkeit, deinen Zyklus und Fruchtbarkeit gestaltest – und lebst nicht nur dem nach was die Werbung oder Gesellschaft dir vorschreibt. Zudem ist mir auf meiner Recherche nach dem ersten Kontakt mit der Doula aufgefallen, dass es nicht nur ein „Trend“ ist. Sondern, dass es Frauen gibt, die sich das ganz natürlich selbst beigebracht haben ohne zu wissen, dass es „free bleeding“ heißt.

Free Bleeding 101:

Ich habe vorher von dem natürlichen Rhythmus des Körpers geredet. Nun, jede Frau hat auch einen eigenen individuellen Blutungsrhythmus. Oft wenn wir Tampons oder Pads benutzen, achten wir auf diesen Rhythmus nicht. Der Blutungsrhythmus ist nicht immer gleich: erster Tag und letzter Tag der Periode sind anders, Monat zu Monat kann es sich verändern, dein Lebensstil spielt eine Rolle (Stress, Ernährung, Bewegung,…) usw.

Es geht im ersten Schritt darum diesen zeitlichen Rhythmus für sich zu entdecken. So, dass wenn’s so weit ist man auf die Toilette geht und das Blut einfach bewusst los lässt. Dabei ist es auch wichtig zu beachten, dass man einen „guten Release“ hat. Wenn man übt, kann man das über die Zeit besser einschätzen was das bedeutet. Das richtige Einsetzten vom Atem und Beckenboden kann dabei als Hilfe dienen. Wichtig ist auch, dass man Binden oder Periodpanties zum Üben verwendet (nicht Tampons oder Cups). Kleckern gehört dazu. Es ist nichts Schlimmes dabei, wenn mal etwas danebengeht – beim Üben oder auch wenn du ein „free bleeding pro“ bist. Wir sind schließlich Menschen, keine Maschinen.

Was ich meinen Klientinnen im Natural Flow Seminar sage ist, dass es nichts zu erreichen gibt. Das ist enorm wichtig. Denn das blockiert oft anzufangen, oder baut einen unbewussten Glaubenssatz auf, dass nur, wenn ich es 100% immer schaffe, dann ist es das „richtige“ free bleeding. Nein, ist es nicht. Es ist ein wunderschöner Prozess, der dir hilft näher im Kontakt mit deinem Zyklus und Körper zu sein. Du unterstützt ihn und erwartest nichts von ihm. Diese innige Beziehung zu deiner Regel und dem bewussten Loslassen vom Blut, kann die Erfahrung zu deiner monatlichen Blutung komplett verändern. Du kannst mit Schmerzen und PMS ganz anders umgehen. Und auf einmal ist deine Regel keine Belastung mehr, sondern ein Geschenk zur deiner tiefen Weisheit, Sinnlichkeit und Intuition.

Bitte eine lustige Geschichte dazu – sicher ging das auch mal bei dir beim Üben in die Hose? (Wortwitz)

Ich habe in den ersten Monaten, wo ich für mich geübt habe ein Meditationsseminar abgehalten. Das witzige für mich war, dass mein Körper und meine Intuition mich längst darauf aufmerksam gemacht haben, dass ich releasen soll. Mehrfach. Aber ich hab sie mit meinem Kopf ignoriert. Mein Kopf sagte mir: „Komm…das ist ein Blödsinn. Wir wissen das besser. Sind ja mittlerweile schon Pros. Der Körper hat uns gar nichts zu sagen.“

Das war so spannend diesen Dialog zu beobachten, und auch wirklich wahrzunehmen, dass Körper, Intuition und der Kopf unterschiedliche Messages haben. Ich habe mich dann von meiner Arroganz leiten lassen. Naja, was rauskommen muss, kommt auch raus.

Ich habe das mit Humor genommen und habe das als einer meiner wichtigsten Lernerfahrungen gesehen. Egal wie weit wir auf unserer Reise sind, egal wie gut wir glauben etwas zu können – wir laufen immer Gefahr, dass unser Ego uns ein Bein stellt. Das hört nie auf, wir werden einfach nur besser darin diesen Mechanismus wahrzunehmen, ihn zu akzeptieren, zu lieben und dann sich für einen anderen Weg zu entscheiden. Mein key learning war: stay humble, stay mindful.

Wie sieht dein Leben, dein Alltag nun aus im Vergleich zu früher?

Ich muss sagen, dass für mich persönlich meine Tage im Monat eine ganz besondere Zeit sind. Früher war das eine Zeit, die ich ganz schnell hinter mir haben wollte. Ich war eher genervt davon, weil ich das Gefühl hatte, es schränkt mich ein. Jetzt freue ich mich auf diese monatliche Me-Time. Ich hätte das nie für möglich gehalten, aber jetzt schöpfe ich genau aus dieser Zeit kreative Energie, Inspiration für Ideen und neue Projekte, und lasse auch alte Muster und Emotionen los, die sich im Monat aufgestaut haben. Ich lebe viel stärker im Rhythmus mit meinem weiblichen Zyklus, und kann mir das auch nicht mehr anders vorstellen. Es hat tatsächlich mein Leben verändert. Und das ist auch einer der Gründe warum ich diese Tür anderen Frauen aufmachen möchte.

Wenn du deinem jüngeren Ich einen Rat auf den Weg geben könntest, welcher wäre das?

Es ist oft nicht so kompliziert wie man oft denkt. Whatever the quetsion is, love is always the answer. Entscheide dich für Liebe in jedem Moment, und jedem Atemzug, in jeder Konversation und in jeder Entscheidung. Das wird dein Leben für immer verändern.

 

 

Danke liebe Alisa, für die Inspiration in uns hinein zu horchen.