Das ‚Frau sein‘ ist uns irgendwann mal peinlich geworden.

Nur habe ich mich wirklich nie mit der Frage beschäftigt, wann und warum das passiert ist. Was eigentlich total Panne ist. Wenn ich nämlich an den Anfang meiner pubertären Teenager-mit-vielen-Pickeln-im-Gesicht-Zeit zurück denke, fällt mir keine Sekunde ein, in der es mir peinlich war, eine Frau zu werden. Genauer genommen, fand ich es ziemlich geil.

„Lara hat ihre Periode bekommen. Ich will auch!“

Ab meinem dreizehnten Lebensjahr gab es für mich und meine besten Freundinnen also zwei existentielle Lebensfragen: Wann bekomme ich meine Periode? Und wie bekomme ich einen Freund? Wenn ich den zweiten Satz jetzt so lese, schäme ich mich etwas für meine unemanzipatives 13-Jähriges ich. Aber sobald man aus den Zeiten der Wendy herauswächst, wird nach dem Pferd wohl das nächste Trampeltier interessant. Keine Sorge: Ich liebe Männer! Wirklich! Aber irgendwie sind sie Mitschuld an der komischen Entwicklung, die nach Beginn meiner Periode folgte.
Bis dorthin hatte ich wirklich alles ausprobiert:

Mit selbstgebastelten Voodoo-Puppen (Barbies + Tomatenketchup) haben Sarah, Luisa & ich die Periode herbei geschworen. Bei jedem Toilettengang oder in der Dusche, wurde geprüft, ob es nun endlich soweit war.

Und zum Schluss – und das tut mir unglaublich leid – habe ich meine Freundinnen einfach angelogen und behauptet, ich hätte sie jetzt auch bekommen. Im Verlieren war ich schon immer schlecht…
(Ich empfehle diese Taktik übrigens keinem, da man, wenn es dann wirklich passiert, letztendlich nur noch Mama hat, mit der man sich freuen kann.)


An dem (ungelogenen) großen Tag stand ich dann sowohl völlig überrumpelt, als auch leicht heulend-panisch im Badezimmer und fand es überhaupt nicht witzig als Mama den überdimensionalen Riesentampon (Größe Mini) aus der Schublade holte.

Periode?! Peinlich!

Was danach geschah, verwirrt mich immer noch. Der ganze Stolz, der Zauber meines pre-menstruellen Daseins ist einfach zusammen mit meinen ersten Blutstropfen die Toilette runtergeflossen… Denn als ich sie bekam, begann Panik. Panik, dass in dieser Enge nie ein Tampon Platz finden würde. Panik, dass ich nicht rechtzeitig wechseln könnte. Panik, dass ein Blutfleck auf meinem Stuhl in der Klasse bleiben könnte. Panik, dass mir dasselbe passieren würde wie Hannah.

Der Fall: Hannah im Sportunterricht.

Davor hatte ich am meisten Angst. Denn immer montags hatten wir Sportunterricht bei Herrn Bode. Und an diesem Montag mussten wir diese endlos hohe Stange hochklettern. Kennt ihr die? Diese silbernen Metall-Kletterstangen, die man dann wie ein Feuerwehrmann nur andersherum erklimmen musste. Hatte ich erwähnt, dass ich unsportlich bin?! Hannah nicht. Hannah hat es in ihrer weißen Leggings bis nach ganz oben geschafft. Und hatte ihre Periode. Nur ganz leicht, doch es reichte, um die Klasse in einen emotionalen Mix aus Staunen, peinlicher Berührtheit und dann die Jungs in einen hysterischen Lachanfall pubertärer Piepsestimmen fallen zu lassen.

Ab da war mir das „Frau sein“ peinlich: Ich wollte keinen Fleck in der Hose haben. Auf keinen Fall. Ich wollte nicht, dass die Jungs mich aufziehen oder über mich lachen. Schließlich sollte ja einer von ihnen mein Freund werden?! Und auch die Werbung sagte mir, ich dass ich mich unsicher fühlen müsste! Ich schlich mich fast jede Pause zur Kontrolle auf’s Klo mit meinen besten Freundinnen, die auch Angst hatten. Zusammen machten wir den geheimen Check. Wir prahlten nicht mehr – die Periode war out. Wir hofften nur noch, dass sie uns nicht unerwartet erwischen würde…

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13 Jahre später…

führe ich ein Tampon-Unternehmen. Und habe mir erst dadurch zum ersten Mal Gedanken darüber gemacht, was passiert ist. Ich bin mit der Tampon-Faust zum Klo geschlichen, habe komische Synonyme für die Periode verwendet und habe lange nicht hinterfragt, warum. Und jetzt frage ich mich, was wir tun können, damit es anderen Mädels nicht so geht, wie mir. Wie wir Mütter dazu bringen können, ihre Söhne über das Thema aufzuklären. Wie wir Papas davon überzeugen können, dass auch sie im Aufklärungsprozess mit ihrer Tochter eine zentrale Rolle spielen.
Wie wir dafür sorgen können, dass die Periode kein beschämendes Erlebnis mehr ist – sondern ein Grund zu feiern, eine Frau zu sein und was wir Frauen so alles können.

Helft uns dabei. Anni <3