Ricarda: Triathletin mit Verdacht auf Endometriose

Für Ricarda bleibt die Endometriose ein ewiger Verdacht. Denn was man ihr nicht ansieht: Die 23-Jährige Triathletin und Bloggerin trägt einen Herzschrittmacher. Durch die Einnahme der Pille würde ihr Thrombose-Risiko lebensgefährlich erhöht werden – doch ohne Pille keine Operation.

Seit Beginn ihrer ersten Periode hat Ricarda mit starken Krämpfen und Schmerzen zu kämpfen: „Ich konnte teilweise nicht mehr richtig atmen und laufen“, erzählt die Powerfrau. Es gab Zeiten, in denen sie dachte, all das sei doch völlig normal, denn immerhin haben viele Frauen ähnliche Symptome. „Da muss man durch“, sagte ihr erster Frauenarzt, „mit dem Alter gibt sich das“, vertröstete er sie. „Ich habe das einfach so hingenommen“, erinnert sich Ricarda heute.

Endometriose: Was ist das?

Erst als die 23-Jährige in eine größere Stadt zog, wechselte sie den Arzt und wurde zum ersten Mal mit dem Verdacht auf Endometriose konfrontiert. Endometriose? „Ich wusste damals nicht, was das ist.“ Statt einer ausführlichen Beratung bekam Ricarda jedoch lediglich den Rat, ein Endometriosezentrum aufzusuchen – Informationen gäbe es ja zur Genüge im Internet. Vielen Dank für Nichts!

Ricarda vereinbarte einen Termin bei einem Spezialisten, doch auch dieser ging ernüchternd aus: „Um festzustellen, ob es sich um Endometriose handelt, ist eine Bauchspiegelung notwendig.“ Was viele jedoch nicht wissen: Nach einer Operation, in der Gewebe entnommen und eventuell entsprechende Endometriose-Herde entfernt werden, verordnen Ärzte unter anderem auch die durchgehende Einnahme der Pille. Damit soll die Wahrscheinlichkeit eingedämmt werden, dass die Herde zurückkehren.

Keine Pille – keine Operation

Als Herzschrittmacher-Patientin hat Ricarda bereits mit einem erhöhten Thrombose-Risiko zu kämpfen, die Einnahme der Pille würde dieses lebensbedrohlich verstärken. In Absprache mit einem Kardiologen und nach mehreren Beratungen bei unterschiedlichen Gynäkologen, gab Ricarda den Hormonen aus dem Blister dennoch eine Chance.

Schon nach wenigen Tagen machten sich die ersten Folgen bemerkbar: „Es war der Horror! Ich hatte Herzrhythmusstörungen und Kreislaufprobleme. Klar, der Körper muss sich erst daran gewöhnen. Ich habe die Pille aber nach vier Tagen wieder abgesetzt.“ Die richtige Entscheidung, wie sich herausstellen sollte: „Danach war ich bei einem weiteren Endometriose-Spezialisten, der total geschockt reagierte und meinte, dass es fahrlässig war, mir die Pille überhaupt zu verschreiben.“

Für Ricarda heißt das also: Keine Pille, keine Operation. Und ohne Operation kann auch der Verdacht auf Endometriose nicht bestätigt oder chirurgisch behandelt werden. „Mein Arzt hat mir Agnus castus (Mönchspfeffer), also Keuschlammfrüchte verschrieben, die ich auch zwei Zyklen lang eingenommen habe. Die Pflanzen lassen meine Periode schwächer wirken und sie helfen ganz gut. Sonst bleibt mir nur eine Schmerztherapie übrig. Sprich, ab Tag eins meiner Periode nehme ich Medikamente gegen die Krämpfe.“

Bloß nicht aufgeben!

Auch wenn chirurgische Eingriffe hier an ihre Grenzen stoßen, lässt sich Ricarda nicht unterkriegen: „Ich versuche nicht aufzugeben, moderat Sport zu machen, mich zu entspannen und mir einfach etwas Gutes zu tun.“

Ihre Message an andere Powerfrauen? „Wichtig ist es, nicht aufzugeben, Alternativen zu suchen und das zu tun, was einem selbst wichtig ist.“ Genau deshalb sollten Themen wie Schmerzen, Periode und Endometriose in der Gesellschaft Gehör finden. „Es ist nicht normal Schmerzen zu haben. Wir dürfen die Warnsignale des Körpers nicht ignorieren.“ Statt „Tablette rein, Schmerz vorbei“ sollten sich Frauen mit ihren Unterleibsschmerzen auseinandersetzen und ihnen auf den Grund gehen, findet die 23-Jährige. Außerdem appelliert sie an unser Miteinander: „Schmerzen sind nicht sichtbar für die Außenwelt, jeder empfindet sie anders.“ Deswegen sollten wir einander ernst nehmen.