Toxisches Schock Syndrom erklärt.

Durch das Model, Lauren Wasser, wissen wir alle, dass TSS ernstzunehmend ist. Wir erklären euch, was es mit dem TSS Syndrom auf sich hat.

TSS – die Tamponkrankheit erklärt.

Ende des letzten Jahrhunderts wurde TSS zum ersten Mal in Studien in Verbindung mit dem Gebrauch von Tampons gesetzt. Es wurde herausgefunden, dass das Risiko TSS zu bekommen mit einer erhöhten Saugkraft ebenfalls ansteigt. Heutzutage weist der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) auf ein sehr geringes Risiko der Erkrankung allein durch Tamponnutzung hin.

Damit TSS ausbrechen kann müssen sich mehrere Faktoren im Körper begünstigen. Das Toxisches Schock Syndrom ist eine Infektionskrankheit und kann deshalb nur ausbrechen, wenn ein bestimmtes Bakterium vorhanden ist  – Staphylococcus aureus.

Dieses Bakterium kommt leider sehr häufig vor. Bei den meisten Menschen sitzt es im Nasen- und Rachenraum (circa bei der Hälfte der Bevölkerung). Viele tragen es in sich, ohne dass es ausbricht, können so aber Überträger sein. Das Bakterium kann Exotoxine ausstoßen, Giftstoffe die besonders unser Immunsystem angreifen und als Superantigene fungieren können. Zu schweren Krankheitsverläufen, wie dem TSS kommt es aber meiste nur bei einer ersten Infektion. Junge Frauen müssen daher auf eine besonders strenge Hygiene achten. Im Alter haben über 90% der Menschen bereits Antikörper dagegen gebildet.

TSS Symptome sind:

  • Hohes Fieber
  • Starke Kopfschmerzen
  • Schwindel und Blutdruckabfall
  • Sonnenbrandähnlicher Hautausschlag
  • Starke Muskelschmerzen
  • Wasseransammlung im Darm und starker Durchfall

Bei einem Verdacht solltet ihr schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen!

Folgen können sein:
Überschießende Immunreaktion, die bis zum Multi-Organversagen führen kann. Hält dieser Zustand zu lange an, werden manche Gliedmaßen oder Organise nicht mehr richtig mit Blut versorgt und es kann zum Absterben kommen, wie im Falle Lauren Wasser’s.

Ob Tampons gefährlich sind?

Vorne Weg: Tampons sind nicht die Ursache von TSS…

…können aber im seltenen Fall das Risiko begünstigen.

Kurze Geschichtsstunde:
In den 80ern traten besonders viele Fälle von TSS in den USA auf, was in Verbindung gesetzt wurde mit dem neuartigen Super-Sauger-Tampon – RelyPr. Dieser bestand aus einem chemischen Gemisch aus unter anderem Carboxymethylcellulose (E466). Diese Kunststoff-Absorptionsmasse begünstigt bakterielles Wachstum im Zusammenhang mit der Änderung des pH Wertes in der Vagina, während der Menstruation (von „sauer“ auf einen Wert von circa 7). Wenn das Blut dann nicht abfließen kann (durch Tampons oder Menstruationstassen), kann sich so ein Nährboden bilden. Die Zahl der Erkrankungen sank wieder stark ab, als Procter & Gamble den Tampon vom Markt nahm.(1,2,3,4,5)

Daher hat TSS auch seinen medizinisch nicht korrekten Spitznamen: „Tamponkrankheit“

Es fehlt an Transparenz:
Das aktuelle Problem: Wenige Daten. Das liegt zum Glück daran, dass die Anzahl an Fällen von TSS im Zusammenhang mit der Periode weiter gesunken sind.
Neue Vorschriften wurden von EDANA eingeführt, die die Saugfähigkeit von Tampons reguliert und reduziert. Während vorher von 10 und bis über 20 mg möglich waren, nehmen die meisten Tampons nun je nach Größe zwischen 6-9mg (Mini) und 12-15mg (Super) auf. Im Zuge dessen wird von Behörden wie dem FDA oder Ärzten, seither auch empfohlen, stets die kleinstmögliche Größe zu benutzen. Außerdem wird verpflichtend auf TSS in der Verpackung und außen hingewiesen.(2,3)

Tampons sind also grundsätzlich nicht „gefährlich“, du solltest aber darauf achten, nicht nur eine größere Größe für alle Tage zu nutzen, sondern die Größen an die Stärke des Blutflusses anzupassen. Durch zu große Tampons entsteht oft zu viel Reibung und es können sich haarfeine Risse in der Schleimhaut bilden, die dann einen Eintritt für Bakterien bieten können.

Andererseits liegt das Problem auch darin begründet, dass es wenige und teils gegenläufige Studien zum Thema gibt. Ein verstärktes TSS-Risiko durch synthetische Stoffe in Tampons wird in vielen US-amerikanischen Studien beispielsweise bestätigt.

„Yet, the live bacteria and synthetic tampon energetically interacted and were co-factors in producing illness.“ (6)

Die neueste Laborstudie zum Thema identifiziert keinen Zusammenhang zwischen den Materialien, hingegen aber ein erhöhtes Risiko bei Menstruationstassen. (7) Diese wurde bisher kaum untersucht, da der erste Fall von TSS in Zusammenhang mit der Menstruationstasse erst 2015 bei einer 37-jährigen Frau auftrat (8).

Kann die Tampon Krankheit auch mich treffen?

Auch wenn es den Super-Sauger RelyPr nicht mehr auf dem Markt gibt, ist die Zusammensetzung von einigen Tamponherstellern nicht transparent. Noch immer besteht keine Deklarationspflicht der Inhaltsstoffe auf den Verpackungen. Natürliche Tampons beispielsweise aus Bio-Baumwolle enthalten keine zusätzlichen Stoffe!
Vor einer bakteriellen Infektion mit Staphylococcus aureus kann man sich nur schwer schützen, äußerste Hygiene ist also auch bei deiner monatlichen Versorgung gefragt:

  • Wasche dir stets die Hände vor (und auch nach) dem Einführen eines Tampons.
  • Wenn dein Immunsystem geschwächt ist, achte besonders auf regelmäßiges Wechseln.
  • Nutze die kleinstmögliche Größe, individuell an jeden Tag angepasst.
  • Achte darauf, dass deine Schleimhäute beim Einführen nicht zu trocken sind, da sonst Gewebefasern zurück bleiben können.

Ein toxischer Schock kommt nicht nur bei Tamponnutzung vor.

Das Bakterium kann über Wunden, offene Stellen, Verbrennungen oder auch Insektenstiche in unseren Körper gelangen. Es gibt auch Fälle von TSS bei Frauen mit Diaphragma, nach infektiösem Abort oder im Zusammenhang mit der Menstruation aber OHNE Tampon. Es kann auch Männer und Kinder treffen, in verschiedenen Lebenssituationen und mit unterschiedlichen Krankheitsbildern, wie im Zusammenhang mit Abszessen, Nasen-(nebenhöhlen)-entzündungen, Influenza, Haut- oder Schleimhautinfektionen.(9)

 

Quellen:
1) Das Toxic-Shock-Syndrom aus gynäkologischer Sicht, Werner Mendling, Frauenarzt 2016/11.
2) CDC. Toxic-shock syndrome–United States. MMWR 1980;29:229-30.
3) CDC. Follow-up on toxic-shock syndrome–United States. MMWR 1980;29:297-9.
4) CDC. Historical Perspectives Reduced Incidence of Menstrual Toxic-Shock Syndrome — United States. MMWR 1990;39:421-423.
5) Todd J, Fishaut M, Kapral F, Welch T. Toxic-shock syndrome associated with phage-group-1 staphylococci. Lancet 1978;2:1116-8.
6) Rely and Toxic Shock Syndrome: A technological Health Crisis. Yale Journal of Biology and Medicine 84 (2011), pp. 447-459.
7) Impact of currently marketed tampons and menstrual cups on Staphylococcus aureus growth and TSST-1 production in vitro. 2018 American Society for Microbiology.
8) Canadian Journal of Infectious Diseases and Medical Microbiology
9) 
RKI-Ratgeber für Ärzte „Staphylokokken-Erkrankungen“, www.rki.de.