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Was Tampons kosten

Was kosten Tampons

 

Was Tampons kosten und wieso wir darüber reden müssen

Wein, Sojamilch, Tampons. Passt irgendwie nicht, oder? Okay, das erscheint nicht nach einer so ungewöhnlichen Kombination im Einkaufswagen. Hier jedoch der entscheidende Unterschied: Während Wein und Sojamilch Produkte sind, auf die wir rein theoretisch verzichten könnten, gestaltet sich ein Leben ohne Tampons vermutlich eher schwierig. Das Steuergesetz sieht das etwas anders und besteuert alle genannten Artikel gleichermaßen mit einer Umsatzsteuer von 19 Prozent. Dadurch kosten Tampons mehr als sie müssten und der von uns als dringend notwendig erachtete Tampon wird zum Luxusgut. Das ist definitiv lukrativ. Nicht für uns, dafür aber für Bund und Länder.

Kurze Rechenübung: Deine Bio-Tampons kosten rund 0,23 Euro pro Stück. Daraus ergibt sich eine Umsatzsteuer von ca. 0,04 Euro. Das klingt erstmal vielleicht nicht viel. Rechnet man das Ganze jedoch weiter ergeben sich nicht ganz unbedeutende Summen. Insgesamt scheint die Unterscheidung zwischen Gütern des täglichen Bedarfs und Luxusgütern jedoch ein riesiges Durcheinander zu sein. Smoothies sieben Prozent, andere Fruchtsäfte 19 Prozent. Trüffel wird ebenfalls mit dem ermäßigten Satz besteuert und gehört damit laut Definition zum Grundbedarf. Klar, wer kann schon auf seinen abendlichen Trüffel verzichten? Spaß beiseite, denn aus diesem Steuerwirrwarr ergeben sich mindestens zwei gravierende Probleme.

Tampons kaufen oder laufen lassen

Problem Nummer eins scheint bereits offensichtlich. Die Gleichstellung von Tampons und anderen Hygieneartikeln rund um die Menstruation mit Wein und Sojamilch suggeriert, dass wir irgendwie eine Wahl hätten. Dass wir einfach sagen könnten: „Ok, diesen Monat keine Tampons für mich. Geht auch so.“ Ersetzen wir das Wort „Tampons“ jetzt durch Sojamilch oder Wein. Zugegebenermaßen wäre ein Monat ohne Sojamilch schon blöd. Aber wohl auszuhalten. Was ich sagen will: Unsere einzige Alternative wäre es einfach mal laufen zu lassen. Läuft bei dir? Offensichtlich!

Selbst aus einer etwas objektiveren mikroökonomischen Perspektive macht die Behandlung von Tampons als Luxusgut wenig bis gar keinen Sinn. Dort werden Luxusgüter als Güter bezeichnet, deren Nachfrage sich bei einem Anstieg des Einkommens überproportional steigert. Angenommen du hast 100 Euro mehr im Monat zur Verfügung. Für was würdest du dieses Geld ausgeben? Für Tampons? I doubt it. Die Behandlung von Tampons und Binden als Luxusgut ist damit kurz gesagt falsch.

Dass Produkte wie Trüffel oder Smoothies hingegen zum ermäßigten Steuersatz angeboten werden, ist zusätzlich verwirrend. Wieso nicht auch eine ermäßigte Umsatzsteuer auf Produkte, die zwangsläufig benötigt werden? Die Menstruation betrifft alle Frauen. Unabhängig von ihrem Einkommen. 

Tampons kosten in erster Linie Frauen etwas

Und damit wären wir beim nächsten Problem. Tampons kosten einem bestimmten Teil der Bevölkerung etwas: Frauen. Und diese höhere Besteuerung von Damenhygieneartikeln zieht sich quasi durch das ganze Sortiment. Rasierer, Shampoos, Deo– in allen Bereichen sind die Artikel teurer als das männliche Gegenstück. Pink Tax lautet hier das Stichwort. Frauen verdienen also im Durchschnitt deutlich weniger, zahlen auf zahlreiche Artikel jedoch höhere Steuern. Dieses Phänomen wird auch Preisdiskriminierung genannt. Nun könnte man sagen: Ok, aber Männer benötigen keine Tampons. Wo liegt also das Problem? Ganz einfach: Geschlechtergerechtigkeit setzt voraus, dass die alltägliche Hygiene für Frauen und Männer im Allgemeinen gleich viel kostet. Und das am besten in Verhältnis zu ihrem Einkommen. Die Verwendung von Tampons oder Binden gehört zwangsläufig dazu.

Fazit: Tampons kosten mindestens zwölf Prozent zu viel. Darauf erstmal einen Apfelsaft (19 % MwSt). Oder doch lieber einen Smoothie (7 % MwSt)? Egal. Wichtig ist: Frauen dürfen nicht fiskalisch diskriminiert werden, weil sie ihre Menstruation haben. Und deshalb müssen wir offen über die Tamponsteuer reden! Einerseits um uns für eine faire Besteuerung einzusetzen und andererseits um zu signalisieren, dass die Periode kein Thema ist, dass unter den Teppich gekehrt werden kann. 

Damit das nicht geschieht teilt den Artikel und unterstützt Yasemin Kotra und Nanna-Josephine Roloff bei ihrer Petition gegen die Besteuerung von Tampons als Luxusartikel.

Du willst mehr über Tampons wissen? Wie man einen Tampon einführt und was man sonst noch wissen sollte.

 

 

Über die Vulva-Bloggerin

Sabrina

Sabrina hält nicht viel von random Powersprüchen. Dafür hat sie ein Powergetränk, das ähnlich abgedroschen ist wie die meisten Sprüche: Kaffee. Ihr Goal: In Alltagssituationen gezielter auf Ungerechtigkeit aufmerksam machen und dabei sämtliche „Herrschaftsverhältnisse“ ignorieren. Erdnussbutter mit Marmelade mixen ist kein Tabu und ihr Lieblingseis ist ganz klassisch Stracciatella.

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